In den letzten zehn Jahren hat sich der Hochschulzugang für Geflüchtete in der Schweiz deutlich weiterentwickelt. Gab es 2016 erst vereinzelte, meist studentisch initiierte Angebote, so sind heute rund 30 institutionelle Programme an Hochschulen etabliert.
Zunehmend engagieren sich die Hochschulen selbst: Einige bieten Brückenangebote an, die studieninteressierte Geflüchtete sprachlich, fachlich und organisatorisch auf ein Studium vorbereiten. Andere haben Anlaufstellen eingerichtet, die Geflüchtete sowohl vor als auch während des Studiums unterstützen. Diese Vielfalt an Ansätzen ermöglicht es, auf unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse einzugehen.
Auch auf politischer Ebene wurde das Thema aufgegriffen. Seit 2023 ist der Hochschulzugang für Geflüchtete im Rahmen der Kantonalen Integrationsprogramme (KIP 3) als Integrationsweg anerkannt. Damit sind die Kantone verpflichtet, für qualifizierte Personen entsprechende Massnahmen zu fördern. Zudem können zwischen 2025 und 2028 Hochschulprojekte für Geflüchtete über projektgebundene Beiträge (PgB) von swissuniversities unterstützt werden. Diese Förderung basiert auf einer bisher einmaligen Zusammenarbeit zwischen dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).
Bleibende Herausforderungen
Trotz diesen Entwicklungen bleiben zwei grosse Herausforderungen: Die Information und die Finanzierung. Erstens sind noch nicht alle Fachpersonen, die Geflüchtete beraten, über die bestehenden Angebote informiert. Zudem ist es herausfordernd in der Beratung eine Abwägung zwischen den Chancen auf einen direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt und dem realistischen Potenzial auf ein Hochschulstudium zu treffen.
Zweitens bleibt die Finanzierung der grösste Engpass. Die Unterstützung von geflüchteten Personen, die eine Hochschulausbildung anstreben, variiert stark je nach zuständigem Sozialdienst. Manche schliessen tertiäre Ausbildungen grundsätzlich aus, während andere Einzelfallprüfungen vornehmen. Oft führen kurzfristige Kostenerwägungen dazu, dass ein Studium nicht unterstützt wird.
Gerade bei ausländischen Diplomen für nicht reglementierte Berufe wird häufig ein direkter Einstieg in den Arbeitsmarkt angestrebt. In der Praxis resultiert dies jedoch nicht selten in einer Dequalifizierung und in Beschäftigungen im Tieflohnsektor, die kaum aus der Sozialhilfe führen. Hier ist ein stärkeres Bewusstsein für die langfristigen Integrationschancen über Bildung erforderlich.
Noch braucht es für diese Thematik viel Sensibilisierungsarbeit. Das Projekt Perspektiven – Studium des Verbands der Schweizer Studierendenschaften (VSS) setzt genau hier an. Es informiert und sensibilisiert studieninteressierte Geflüchtete und Fachpersonen, die diese auf ihrem Bildungsweg begleiten.
Informationsveranstaltung
Am 26. Januar 2026 von 12.00 bis 13.30 Uhr findet eine Online-Informationsveranstaltung auf Deutsch statt. Im Fokus stehen allgemeine Herausforderungen und Chancen beim Hochschulzugang für Geflüchtete sowie die Präsentation bestehender Förderprojekte in der Deutschschweiz. Die Anmeldung erfolgt über die Webseite. Parallel dazu erfolgt am 20. Januar 2026 vom 12.00 bis 13.30 Uhr eine französische Veranstaltung zu den Angeboten in der Romandie.
Das Team von Perspektiven – Studium steht Berufs- und Laufbahnberatenden für Auskünfte zur Verfügung. Gerne können Sie uns kontaktieren unter perspektiven-studium@vss-unes.ch .