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Kaum je ein Flüchtling schafft es bis an eine Schweizer Hochschule
8. März 2016
Kaum je ein Flüchtling schafft es bis an eine Schweizer Hochschule

Kaum je ein Flüchtling schafft es bis an eine Schweizer Hochschule. Nun fordern die Universitäten den Bund zum Abbau von Hürden auf.

Manch ein intelligenter, junger Asylbewerber, der in seiner Heimat studiert hat, landet in der Schweiz auf dem Acker eines Landwirts oder am Spültrog in einer Restaurantküche. Das lässt nur schon die Tatsache vermuten, dass bis anhin kaum ein Flüchtling an einer Schweizer Universität oder Hochschule eingeschrieben ist. Dabei gäbe es durchaus solche, die das Potenzial für ein Studium hätten.

So verfügte beispielsweise Syrien vor Kriegsausbruch über ein intaktes Hochschulwesen. «Es ist entsprechend auch davon auszugehen, dass sich studierfähige Personen unter den in der Schweiz Schutz Suchenden befinden», sagt Martina Weiss, Generalsekretärin der Schweizer Hochschul-Rektorenkonferenz Swissuniversities. Für diese sei es wichtig, dass sie ihr Studium in der Schweiz möglichst umgehend fortsetzen können.

Potenziale nutzen

Wie viele das sind, weiss niemand. Einen Hinweis findet man in einer Erhebung, die das Zürcher Beratungsbüro KEK im Rahmen des Projekts «Potenziale nutzen» für das Staatssekretariat für Migration (SEM) 2012 vorgenommen hat: Von den 523 befragten Flüchtlingen verfügten je 10 Prozent über einen Mittelschul- oder einen Hochschulabschluss.

Dass es studierfähige Flüchtlinge nicht bis an eine Universität oder Fachhochschule schaffen, liege nicht an den Hochschulen, sagt Weiss. Vielmehr würden die möglichen Studenten nicht früh genug erfasst und durch die Instanzen begleitet. Swissuniversities fordert deshalb den Bund zum Handeln auf: «Es braucht schon ganz früh im Asylverfahren Abklärungen über den bildungsbiografischen Hintergrund», sagt Weiss. «Die Hürden zwischen der Aufnahme in der Schweiz und dem Zugang zur Hochschule sollten abgebaut werden.»

Gestützt wird diese Position auch durch den Studienleiter des SEM-Projekts «Potenziale nutzen». Claudio Spadarotto kritisiert, dass es keine systematische Erfassung der Bildungs- und Berufsbiografie bei der Einreise der Flüchtlinge gibt. «Man verpasst es, die Potenziale zu erkennen und zu fördern», sagt er. Dies wäre wichtig, weil so bereits bei der Verteilung der Flüchtlinge auf die Kantone die Weichen richtig gestellt werden könnten. So würde es Sinn ergeben, studierfähige junge Frauen und Männer in einen Universitätskanton zu schicken und nicht in einem Bergtal in den Alpen zu placieren.

Spadarottos Untersuchung bezieht sich nicht nur auf Studenten, sondern generell auf eine bessere Nutzung der Potenziale der Asylsuchenden. «Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge von Anfang an in die richtigen Bahnen gelenkt werden», sagt er. Da die Erfassung der Daten über die Asylsuchenden in den Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes erfolgt, geht sein Appell für eine bessere Abklärung an die Bundesbehörden. Auch Swissuniversities ist mit entsprechenden Vorstellungen ans SEM gelangt. Man sei diesbezüglich «im Gespräch», sagt Martina Weiss.